"Beethoven: Erzählt." - Diabelli und andere Variationen - von der Kunst der Veränderung

Dmitry Ablogin  

Am Schloßpark 7
79189 Bad Krozingen

Event organiser: Kulturamt Bad Krozingen, Basler Str. 10, 79189 Bad Krozingen, Deutschland

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Veranstaltung ist abgesagt.

Event info

Wie der Kunstmarkt funktioniert, zeigen mit dem Diabelli-Variationen die 33 Veränderungen über einen Walzer, den Beethoven abfällig "Schusterfleck" nannte. Denn für den Erwerb des letzten im Privatbesitz befindlichen Beethoven-Autographs musste das Bonner Beethovenhaus eine "Jahrhundert-Finanzierung" organisieren. Die Hälfte der Kaufsumme, über die man Stillschweigen vereinbarte, wurde von der öffentlichen Hand - Bund, Land Nordrhein-Westfalen, Bundesstadt Bonn und Kulturstiftung der Länder - aufgebracht, die andere Hälfte durch private Geldgeber, darunter immerhin dreißig Banken und Stiftungen sowie zahllose Einzelspender.

Dmitry Ablogin kümmert das zum Glück wenig. Für uns spielt er dieses größte und letzte Klavierwerk Beethovens unabhängig von aller Event- und Kunstmarkt-Attraktion und versteht die Diabelli-Variationen wie den Kosmos eines großen Spätwerks. „Man hört alte Meister, galante Musik, Sturm und Drang, tiefe romantische Ausdrücke und auch visionäre Blicke in die Zukunft.“ Ablogin setzt mit seinem anspruchsvollen Programm Beethovens musikalische Form der Variation ins Verhältnis zu Schumanns „Geistervariationen“, die man, so Dmitry Ablogin, gar nicht in Worte fassen kann – und spannt damit den Bogen sehr weit. Es war Schumanns letztes Werk vor seiner Einlieferung in die Nervenklinik Endenich. Wichtig ist für den jungen Pianisten Dmitry Ablogin ein Verständnis, das Musik nicht einteilen lässt in kategoriale Festlegungen wie Romantik, Klassik etc., sondern ein Verständnis, das Musik weit offener begreift. Hier fügen sich in das Programm auch die Werke von Mendelssohn Bartholdy und Schubert, zwei Komponisten, deren Kunst, so Clara Schumann, Robert Schumann als Geister des Nachts verfolgten.
Dmitry Ablogin, Fortepiano


Programm:
Felix Mendelssohn Bartholdy: Andante cantabile e presto agitato, WoO 6 (1838)
Franz Schubert: Impromptu Ges-Dur, op. 90 No. 3 (1827)
Robert Schumann: Geistervariationen“, WoO 24 (1854)
Ludwig van Beethoven: 33 Veränderungen über einen Walzer von Diabelli, op. 120 (1819-1823)

Location

Schloss
Am Schloßpark 7
79189 Bad Krozingen
Germany
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Im Süden von Bad Krozingen erhebt sich in einer malerischen Parkanlage das Schloss der Freiherren von Bleichenstein. Als wunderschönes Renaissancegebäude bildet es den stilvollen Rahmen für die einmaligen Schlosskonzerte, bei denen ausschließlich auf historischen Instrumenten gespielt wird. Diese stammen aus dem Bestand der im Schloss untergebrachten Sammlung historischer Tasteninstrumente.

Als ehemalige Propstei des Klosters St. Blasien wurde das Gebäude 1579 durch den Benediktinerabt Caspar II. errichtet. Durch den neuen Besitzer erhielt es im Zuge eines Umbaus im 18. Jahrhundert sein heutiges Aussehen: Reiche Stuckarbeiten und die wertvolle Ausstattung des Festsaals stammen aus dieser Zeit. Im Gegensatz zum Interieur, das im Stil des Rokoko gehalten war, wurde das äußere Erscheinungsbild barock gestaltet und entsprach so dem Repräsentationsbedürfnis der damaligen Zeit. Auch die Schlosskapelle aus dem 17. Jahrhundert erhielt zu jener Zeit ein neues Gesicht und beherbergt seitdem neben dem Marienaltar auch ein kunstvolles Rokoko-Interieur.

Die seit 1974 im Schloss befindliche Sammlung, zusammengestellt vom Cembalisten Fritz Neumeyer, umfasst rund 50 historische Tasteninstrumente. Dazu gehören mit Spinett, Regal, Virginale, Cembali und Hammerflügel die wichtigsten Typen ihrer Zeit, die teilweise noch von 1600 stammen. Die sehr gut erhaltenen Instrumente machen es möglich, Musik vom 16. bis zum 19. Jahrhundert in ihrem ursprünglichen Klangbild aufzuführen. So erhält jedes der Schlosskonzerte in Bad Krozingen einen einzigartigen Klang und Charakter, den man so nur selten zu hören bekommt.